Ölscheichs lesen aus dem Kaffeesatz, denn Öl war (bald) gestern

Daimler sucht im Angesicht eines baldigen Abschieds vom Erdöl nach neuen Wegen für alternative Antriebstechniken, denn jedem ist bekannt, dass derjenige, der hier nicht die Zeichen der Zeit erkennt und mithält, den kürzeren ziehen und mitten auf der Strecke liegen bleiben wird, zumindest spätestens dann, wenn der nächste Ölpreis-Boom ins Haus steht.

Wunder gibt es immer wieder – dies scheint auch ein Lieblingssong der megareichen und einflussreichen Ölscheichs zu sein, denn Milliarden von Petrodollars aus Abu Dhabi finden neuerdings Verwendung, um alle Vorbereitungen zu treffen, wenn das Erdöl endgültig zu Grabe getragen wird. Der arabische Erdölfonds fließt so in die Leitungen des Daimlerkonzerns, denn beide wollen sich verstärkt der Erforschung von Elektroautos widmen. Als Termin wäre das Anfang April stattfinde Richtfest für Interessierte vorzumerken, denn dann weihen die Scheichs aus Abu Dhabi in der Nähe von Erfurt eine Solarfabrik ein, deren Solarzellen dann die ehrwürdige Aufgabe zuteil wird, in der Wüstenstadt Masdar City Elektromobile zu betreiben. Masdar City steht als Modell für eine Stadt der Zukunft, welche keine fossile Energie mehr einsetzt.

Zu völlig neuen Einsichten und Erkenntnissen gelangt derweil die ökonomische Wissenschaft, denn seit geraumer Zeit ist unter den Ökonomen davon die Rede, dass Innovationen lediglich den schon längst vorgezeichneten Pfaden folgen und sich diese somit nicht so ganz einfach ändern lassen. Nun müssen sie, und das ausgerechnet noch zur Fastenzeit, mit ansehen, wie die Welt auf einen solchen Pfad pfeift und von diesem abweicht, langsamen Schrittes zwar, jedoch mit zunehmender Dynamik. Es ist jedoch nicht immer falsch, einen vorgezeichneten Pfad zu verlassen, denn diese müssen nicht immer richtig sein, und genau so herum läuft es jetzt: Endlich kapiert man und langsam steigt das Bewusstein, dass der derzeitige, alte Weg, der Weg der Ausbeutung fossiler Ressourcen ist. Und diesen endgültig zu verlassen, das ist längst überfällig.

Die momentane Krise wird als “Finanzkrise” völlig fehlinterpretiert. Kam sie auch zu ihrem Höhepunkt durch zusammenstürzende US-amerikanische Immobilienmärkte und nicht mehr zu bedienende Kredite, so war sie stets in guter Begleitung von einem bisher nie da gewesenen Anstieg der Rohstoffpreise. Insbesondere in den USA, wo, wie in keinem anderen Teil dieser Erde, sowohl Siedlungsstruktur und Alltag auf die individuelle Mobilität abgestellt sind, lagen die Ölpreise je Fass bei fast 150 Dollar. Autofahrer, welche nun auf den Gebrauch spritfressender Geländewagen verzichten, haben jedenfalls die Nase vorn.

Nun wäre eine einfache Krise anscheinend zu langweilig, also vertreibt sich diese Krise ihre – wohlwissend begrenzte – Lebenszeit damit, Entspannung zu suggerieren, doch dieses ist nicht die Realität, auch wenn der Ölpreis derzeit wieder auf 50 Dollar pro Fass zurückgegangen ist und Sprit nun fast wieder als preiswert gilt. Jedoch die, die sich nur freuen und nicht nachdenken, haben die Krise längst nicht überwunden, denn sie werden einen Rückfall erleiden, da gerade in unsicheren Zeiten die Finanzierung großer Projekte schwierig ist und aufgrund dessen werden Investitionen von den Ölkonzernen zurückgefahren. Auch für den Fall, dass die Ölvorräte noch für einige Jahre genügen würden, wird es nicht mehr gefördert, was den Effekt nach sich zieht, dass, sobald sich die Wirtschaft wieder stabilisiert hat, auch die Ölpreise wieder im dreistelligen Bereich angesiedelt sein werden. Die Spekulation mit Öl erfährt allein durch die Erwartung Antrieb und somit erfahren Alternativen mehr Attraktivität. Wenngleich auch in unserer heutigen Zeit vieles unsicher sein mag, so ist eines sicher: Das Ölzeitalter wird, noch lange bevor das Öl endgültig zur Neige geht, definitiv aussterben und ein neues Kapitel beginnen.

Hinsichtlich dessen ist das Verhalten der Investoren vom Golf cleverer als das mancher deutscher Unternehmen in den letzten Jahren. Unbestritten ist, dass die Autokonzerne sich schon länger mit der Erforschung von Alternativen, Hybridantrieben, Brennstoffzellen oder Erdgasautos beschäftigen, jedoch sind sie bis jetzt über das Prinzip eines explodierenden Luft-Kraftstoff-Gemischs nicht hinaus gekommen. Überwiegend in Marketingabteilungen wurde das Kind Entwicklung geschaukelt und brachte neue Fabrikate mit wohl- und interessant klingenden Namen wie “Efficient Dynamics” oder “Blue Motion” heraus und gaukelten den Massen auf diese Art und Weise eine nicht vorhandene Revolution vor. Die Realität sieht anders aus, denn die Fortbewegung mittels Verbrennung bleibt und somit werden weiterhin wertvolle Ressourcen verschwendet. Daran, dass der größte Teil der Energie durch die erforderliche Kühlung oder den Auspuff einfach verplempert wird, ändern auch bessere Motoren gar nichts. Eine solche Verschwendung ist einfach nur skandalös, bedenkt man, dass unsere Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 die Neun-Milliarden-Grenze erreicht oder auch überschritten haben wird.

Einiges spricht für Elektroautos, da diese die Energie bei weitem besser ausnutzen, abgesehen einmal davon, dass der Strom zumeist von wenig effizienten Kohlenkraftwerken erzeugt wird. Batterien könnten neben einer gesteigerten Leistungsfähigkeit noch eine zweite wichtige Mission erfüllen, indem der überschüssige Strom beispielsweise über Nacht von Windrädern gespeichert wird. Autokonzerne erkennen anscheinend die vielfältigen und effizienten Chancen der Technologie, zumindest spricht sehr vieles dafür. Und so könnte das Engagement der Scheichs beim Daimlerkonzern sogar einen Wettlauf einläuten und somit könnte die Fort- und Weiterentwicklung endlich an Dynamik gewinnen.

Die derzeitige Krise bietet vor allem denjenigen Chancen, welche sie bisher nicht ergriffen haben, um so bemerkenswerter ist, dass nun die beiden Unternehmen, Daimler und der Fonds Aabar, eine Kooperation eingingen, da sie wohl auf ihr bisheriges eigenes Geschäftsmodell nicht mehr vertrauen können. Zum einen befürchten die Scheichs ein Ende ihres Wohlstandes und zum anderen muss Daimler davon ausgehen, dass für herkömmliche Motoren irgendwann kein Absatzmarkt mehr bestehen wird. Es besteht derzeit eine Krise, unbestritten, jedoch betrachte man diese einmal als etwas Gutes, denn sie wird zu einer längst überfälligen Veränderung dieser Branche beitragen.

 
Quelle http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/82/462696/text/

 

Eigentlich könnten, nein sollten, Verantwortliche wie Unternehmensberater, Ökonomen oder auch Politiker aus alledem zu dem Schluss kommen, dass eine Ausbeutung von Ressourcen nicht in alle Ewigkeit funktionieren kann und wird, jedoch geht das Denken über diesen Horizont – noch – nicht hinaus, wofür gerade die Automobilindustrie das wohl beste Beispiel liefert. Leider scheint die Umkehr nicht aufgrund von Weisheit oder gar Einsicht, sondern eher aufgrund des ökonomischen Drucks zu entstehen. Aber bisher waren alle Mittel recht, um die Ressourcen zu verschwenden, die Umwelt zu zerstören, wieso sollte es der Erde nicht zustehen, mit Naturkatastrophen und zur Neige gehenden Ressourcen auf die Macher Druck auszuüben? Da fällt mir ein: “Wer nicht hören will, muss fühlen”. Ist m.E hier durchaus anwendbar.

Nein, ich empfinde keine Schadenfreude, sondern sehe lediglich meine eigenen Ansichten und Befürchtungen bestätigt. In welche Fonds man investiert, sollte man sich daher genau überlegen. Wie ich in einem anderen Artikel schrieb, zumeist nutzt nur der Appell an die eigene Gesundheit oder gar eigene finanzielle Ressourcen, wenn es “nur” um die Umwelt geht, scheint plötzlich ein Hörsturz zur Volkskrankheit zu werden. Fast jedenfalls. Leider.

Dieser Artikel wurde von Energieblog.de am 24. März 2009 geschrieben und unter Ausland, blog, Energie, Energie und Umwelt, Energiekosten, News, Politik, Technik, Umwelt abgelegt.

3 Kommentare

  1. Badexp (24.03.2009, 9:35 am)

    Die Ölpreise dürften erst dann wieder steigen wenn alternative Antriebstechniken auch serienreif sind. Da es kaum jemanden geben wird der neu investiert wenn die Preise so bleiben bzw. niemand es sich leisten kann so hohe Preise zu bezahlen ohne eine alternative hat, dann wird die Finanzkrise erst recht wieder eine neue Flut erleiden.

  2. Martin (24.03.2009, 10:22 am)

    Der Artikel in der Süddeutschen bringt es extrem gut auf den Punkt: Die Öl-Scheichs demonstrieren mit dem Einstieg bei Daimler, dass sie strategischer denken als die deutschen Automanager, die jahrelang vom 3-Liter-Auto gefaselt haben, während längst andere Technologien vorangetrieben hätten werden müssen.
    Andererseits ist der Einstieg der Scheichs auch wieder ein gutes Zeichen: Es tut sich endlich etwas in Richtung Elektroautos, hat ja auch lange genug gedauert. Dass ausgerechnet Öl-Scheichs dafür stehen, ist schon grotesk, passt aber ins oben beschriebene Bild deutsche Automanager.
    Dass die Konsumenten allmählich die Zeichen der Zeit erkennen, sorgt nur für noch mehr Druck auf die Automobiljunkies. Auch das ist ein positives Zeichen. Warum nur, muss so etwas immer so lange dauern?

  3. Ulrike G. Reich (24.03.2009, 12:13 pm)

    Hallo Badexp,
    Es fragt sich nur immer wieder, WANN denn diese alternativen Antriebstechniken endlich serienreif sind, denn es ist wirklich längst überfällig. Natürlich wird bei den von dir aufgezählten Möglichkeiten die Finanzkrise wieder neuen Schwung erleben, aber das logisch, also sollen die, in deren Händen es liegt, etwas zu tun, gefälligst aus dem Däumchendrehen herauskommen und Worten Taten folgen lassen.

    Hallo Martin,
    ich weiß nicht, ob ich mir das nur einbilde, oder ob doch ein Funken Wahrheit darin enthalten ist, wenn ich immer wieder, auch in anderen Bereichen, denke, dass Deutschland stets hinterher hinkt, so wie jetzt auch wieder.

    Natürlich ist es grotesk, dass Ölbarone in die Entwicklung von Elektroautos investieren, aber es geschieht ihnen schon ein wenig Recht, denn auch sie haben Jahrzehnte ausgebeutet und gescheffelt, nun scheint der vormals vermeintlich ewige Platz an der Sonne gefährdet zu sein und dann kann man plötzlich auch in anderer Richtung aktiv werden. Um so besser, denn hierdurch kommt Schwung in diesen Bereich.

    Ich sehe es auch als sehr positiv, dass die sich die Konsumenten im Prozess des Umdenkens befinden, denn letztlich bestimmt, Gott sei Dank, auch heute noch die Nachfrage das Angebot, insbesondere jetzt bezüglich der Autoindustrie.

    Warum es immer so lange dauern muss, diese Frage kann ich nicht verbindlich beantworten. Ich denke aber, dass es eines der größten Übel des Menschen ist: In den Sand gefahren hat man die Karre immer schnell, aber sie wieder herausziehen, das dauert länger. Es geht eben jeder Krug so lange zum Brunnen, bis er bricht.

    “So lange es mir gut geht, was scheren mich da andere oder gar die Umwelt.” So oder so ähnlich werden viele denken. Und ebenso viele werden erst umdenken und ihr Verhalten ändern, wenn es an die eigene Substanz geht. Das ist nicht bei allen so, aber eben bei vielen und vor allem bei denjenigen, die nun wirklich die Möglichkeiten und die Macht hätten, schnell(er) zu agieren…