Der drohende Schatten des Bohrturms

Das Szenario ist nicht neu. Eines der wertvollsten Regenwaldgebiete der Erde, der Yasuni-Nationalpark, liegt ausgerechnet auf einem Ölfeld. Nirgendwo auf der Welt gibt es eine derartige Vielfalt in Fauna und Flora wie hier, Arten, die zudem noch nicht völlig erforscht sind. Dazu kommt, dass hier die letzten indigenen Völker ohne Kontakt zur westlichen Zivilisation leben. Noch ist das Gebiet streng geschützt. Doch nun hat die Regierung von Ecuador Bohrlizenzen ausgegeben.

Ob diese auch genutzt werden können, hängt von der Unterstützung der westlichen Welt ab. Ecuador macht die Zulassung der Bohrungen davon abhängig, ob die Hälfte der von den Bohrungen zu erwartenden Summe als Hilfe in das bitterarme Land fließt. 350 Millionen Dollar jährlich für soziale und ökologische Projekte oder alternative Energien. Ein weiterer Teil der geforderten Summe könnte zudem in einem Schuldenerlass erbracht werden und von Stiftungen oder Einzelpersonen kommen, so Rafael Correa, Ecuadors regierender Präsident. Die Vorgehensweise ist zwar Verständlich, da Ecuador eines der ärmsten Länder der Welt und dringend auf die Hilfe von Außen, oder eben auf den Gewinn durch die Bohrungen angewiesen ist, wird aber auch wegen der sehr kurz gesetzten Entscheidungsfrist von vielen westlichen Nationen als Erpressung eingestuft. Dabei haben schon einige Staaten Interesse an dem Vorschlag der Regierung Ecuadors signalisiert. “Norwegen, Spanien, Italien und Deutschland haben Unterstützung versprochen, aber noch kein Geld fest zugesagt”, sagt Clinton Jenkins von der Organisation “Rettet den Regenwald”, der die Folgen des Ölbooms in Amazonien untersucht. “Der Fall Yasuní ist ein Testfall für die Weltgemeinschaft. Finden wir keine ernsthafte Antwort auf Ecuadors Vorschlag, signalisiert dies deutlich: Wir sind immer noch nicht bereit, angemessen für den Natur- und Klimaschutz zu zahlen.” so Jenkins weiter.

Welche Folgen Ölbohrungen im Regenwald für indigene Völker haben können, zeigt das Beispiel der Zeit, in der US-Konzern Chevron-Texaco in Ecuador Öl gefördert hat: “Zwei Völker – die Tetete und die Sansahuari – wurden durch die Aktivitäten des Konzerns ausgelöscht. Heute existieren sie nur noch als Namen zweier Ölfelder”, sagt Guadalupe Rodríguez, ebenfalls Vertreter der Organisation “Rettet den Regenwald”. Das Unternehmen hat sich mittlerweile aus Ecuador zurückgezogen, die ökologischen Altlasten – verseuchte Landstriche – sind zurückgeblieben.

Mehr zum Thema findet sich auf den Online-Seiten der Süddeutschen Zeitung.

Dieser Artikel wurde von Energieblog.de am 01. Dezember 2008 geschrieben und unter Energie abgelegt.

Ein Kommentar

  1. Badratgeber (02.12.2008, 9:45 am)

    Ich finde es sehr schade das die Regierungen immernoch nicht mitbekommen haben das sie viel mehr für die Umwelt tuen sollten und nicht wie wild nach Öl hinter her sein sollten, den genau das schadet die Umwelt viel mehr! Sie sollten besser in Erneuerbaren Energienquellen setzen!!!